Louis Hendrik Potgieter – 
der tanzende Khan
Er wurde nur 43 Jahre alt: Louis Hendrik Potgieter, der "tanzende Khan", Frontfigur und heimlicher Star von Dschinghis Khan, verstarb - viel zu früh - im Jahr 1996 in Kapstadt/ Südafrika an den Folgen von AIDS. 
Louis Potgieter wurde am 4. April 1951 in Pretoria (Südafrika) geboren. Die Potgieters waren eine große Familie. Neben seinem älteren Bruder Johann (*1948) hatte Louis noch 4 Schwestern: Anneliese (*1954), Karen (*1956), Erna (*1959) und Talana (*1961). Vater Louis sen. war Verkaufsdirektor einer Baufirma in Pretoria, Mutter Anna Susanna war Sekretärin, bevor sie sich der Erziehung der Kinder widmete.

Louis besuchte zunächst die Primary School, anschließend die Brandwag Highschool. Der nächste Schritt war ein Jahr Studium der Kunstgrafik in Johannesburg, bevor er sich der Pact Ballet Company in Johannesburg anschloss. Zum Tanzen kam der junge Louis über andere Sportarten wie Leichtathletik, Fußball, Tennis und Rugby. In den 70er Jahren gelangte er nach Deutschland, wo er über die Zwischenstation am Ulmer Stadttheater und am Theater in St. Gallen in der Schweiz schließlich als Solotänzer beim Münchner Gärtnerplatz-Theater landete.

Er stand in vielen großen Stücken auf der Bühne, u.a. in "Sleeping Beauty" (1971), "Carmen" (1972) oder "Schwanensee" (1975). Zu seinen Bühnenkollegen zählten auch die Großen der Branche wie z.B. Margot Fontayn, Ivan Nagy oder John Hart. Auch als Schauspieler versuchte sich Louis Potgieter: In der "Derrick"-Folge "Ute und Manuela" (1978) spielte er den Zuhälter Blacky, der am Ende der Folge erschossen wird.

Der 1,84 m große, schlanke Tänzer war das erste Mitglied, das Ralph Siegel für seine neue Formation "Dschinghis Khan" auswählte. Empfohlen hatte ihn der bekannte Choreograf William Millie, ein Freund von Siegel. Louis Potgieter wurde sozusagen von der Bühne weg engagiert und war von da an der "Tanzende Khan" in einer Gruppe, die bald weltweit Aufsehen erregen sollte. Der Rest ist Geschichte: Dschinghis Khan stürmten die Charts auf der ganzen Welt.

Langsam bergab ging es erst, als die Konzeption der Band geändert wurde, und der Blickfang des Solotänzers aufgegeben wurde.  Louis sang ab da in der Gruppe mit, aber die Band verlor ein wichtiges Erkennungsmerkmal.

Als die Zeit von Dschinghis Khan 1985/86 endete, trat Louis zwar noch einmal mit der "Dschinghis Khan Family" zum Grand Prix Vorentscheid an, landete aber mit seinen neuen Kollegen "nur" auf Platz 2. Die Truppe löste sich bald darauf auf. Louis Potgieter versuchte sich noch einmal musikalisch im Rahmen der Band "Savage", aber auch das ohne größeren Erfolg. Es wurde ruhig um den sympathischen Südafrikaner.

Mitte der 90er Jahre wurde bei einer Untersuchung festgestellt, dass Louis HIV-positiv war. Da der Kontakt zu seinen früheren Bandkollegen abgerissen war und ihn auch sonst nichts in Deutschland hielt, kehrte er in seine Heimat Südafrika zurück. Er arbeitete dort noch im Management eines Hotels, bis schließlich das AIDS-Virus offen ausbrach. Seine damals schon über achtzigjährige Mutter pflegte den früheren Startänzer bis zu seinem Tod im Jahr 1996. Sein großes Ziel, Schauspieler zu werden und Entertainment nach amerikanischem Vorbild auszuprobieren, konnte er leider nicht mehr verwirklichen.

Mit Louis Potgieter verlor die Welt viel zu früh einen offenen und sympathischen Menschen und die Band Dschinghis Khan ihr Aushängeschild, eine Showfigur, die einzigartig in der Musikgeschichte war. Ohne Louis kann es kein Comeback der "klassischen" Dschinghis Khan geben.

Louis, wir alle, die dich kennenlernen durften, danken dir. Wir wünschen dir alles erdenklich Gute, wo du jetzt auch sein magst. Oder um es mit den Worten des jungen japanischen Fans Sakura (Jahrgang 1988) zu sagen: "Ich denke, dass er in den Himmel jetzt tanzt".

 

 

Jo Beyer & Daniel Logemann
Webmaster STEPPENWIND
www.dschinghis-khan.de

 

 

[zurück zu DK Heute]