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DK-Interviews, Teil 3:
Edina Pop

STEPPENWIND:
Edina, du gehörst zu den "Khanen" der ersten Stunde, hast aber seit Mitte der 80er Jahre deine Solo-Karriere verfolgt. Wie ist das Gefühl, nach über zwanzig Jahren wieder im Rahmen einer Band auf der Bühne zu stehen?

Edina Pop (EP): 
1986 waren wir noch in Korea, allerdings ohne Wolfgang. Ich bin eigentlich sehr flexibel und das war auch nicht irgendeine Band, sondern unsere Kult-Gruppe. Als ich mich mit Jette, Wolfgang und Steve ausgesprochen hatte und eine wohltuende persönliche Reife wahrgenommen habe, spürte ich ein neues Gefühl der Zusammengehörigkeit, das sich nach dem Konzert in Moskau noch weiter entwickelt hat.

 

STEPPENWIND:
Louis, Steve und Leslie sind ja leider nicht mehr dabei, dafür einige neue Gesichter. Wie ist das Verhältnis zu den Künstlern der "Legacy"? Und hattest du in der D.K.-losen Zwischenzeit Kontakt zu den anderen Band-Mitgliedern?

(EP):
Das Verhältnis zur "Legacy" empfinde ich als überaus angenehm und inspirierend. Ich fühle mich immer wieder mit diesen begabten, jungen Künstlern sehr lebendig und beflügelt auf der Bühne. 

Mit Steve hatte ich gelegentlich Kontakt (z.B. TV-Sendungen beim SWR, MDR), Wolfgang habe ich mal zufällig am Flughafen getroffen und Jette rief ich an etwa drei Jahre vorher, ob sie an einer Reunion interessiert wäre. Es gab die Idee, mit einer internationalen Agentur für Auftritte im Ausland zusammen zu arbeiten; es wurde aber dann nichts draus. Immerhin haben wir uns aus diesem Grunde wieder entdeckt, nach so vielen Jahren.

 

STEPPENWIND:
Wie kam es zu diesem doch recht überraschenden Comeback von Dschinghis Khan? Wer hat dich angesprochen? Und warst du gleich begeistert von der Idee - oder eher skeptisch?

(EP):
Steve hat bei mir angerufen, dass er von Heinz Gross (Joint Venture Concerts JVC) ein Angebot für ein Konzert in Moskau bekam, falls wir die Gruppe zusammenkriegen. Das war ein Angebot, wo ich nicht nicht begeistert sein konnte. Dann haben wir Jette und Wolfgang angerufen, und Schritt für Schritt hat es Heinz Gross geschafft, auch sie zu überzeugen, obwohl sie eigentlich mit Showbiz nichts mehr im Sinn hatten. Das war für mich schicksalhaft: die Begegnung mit Heinz Gross und gleichzeitig das große Interesse - weil Nachholbedarf - in Russland. Vor dem Anruf von Steve war ich in Frankfurt im Restaurant "Dschinghis Khan" und habe aus einem Glückskeks einen Zettel gezogen auf dem stand: "Eine Gelegenheit klopft an die Tür!"

 

STEPPENWIND:
Eine Frage zum Ende von Dschinghis Khan in den 80er Jahren: Zur Grand-Prix-Vorentscheidung 1986 trat die "Dschinghis Khan Family" an, Wolfgang und du wart nicht mehr mit von der Partie. Wie kam es zu der Trennung?

(EP):
Einerseits war der Vertrag ausgelaufen, andererseits war die Luft raus. Wir konnten nicht mehr an einem Strang ziehen. Ralph Siegel hatte wohl auch keine große Lust mehr und Unlust, Unstimmigkeiten, Intrigen machten sich unter uns breit, schwächten die frühere Begeisterungsfähigkeit und Motivation der Gruppe. Die Situation war reif für eine Änderung.

 

STEPPENWIND:
Für die, die deine Karriere in der Zwischenzeit nicht so verfolgt haben: Was hat Edina Pop seit dem Ende von Dschinghis Khan in den 80ern gemacht?

(EP):
Ich habe ein Hobby: Swing-Jazz udn Gospels zu singen. Ich habe einige öffentliche Veranstaltungen organisiert mit Kunst- und Kulturvereinen im kleinen Rahmen für 200 bis 300 Leute. Außerdem habe ich weiter deutschsprachige CDs veröffentlicht, wo ich hin und wieder auch experimentieren durfte. Sonst mache ich Live-Solo-Shows auf Kreuzfahrten und im Gala-Bereich, u.a. mit dem Titel "Nostalgie & Rock'n'Roll" oder "Ich bin von Kopf bis Fuß auf S(W)INGEN eingestellt". Zwischendurch habe ich bei der GGB Dr. Bruker in Lahnstein eine Ausbildung zur ärztlich geprüften Gesundheitsberaterin absolviert. Dies alles durchgehend bis zu unserer Reunion 2005.


STEPPENWIND:
Moskau und St. Petersburg müssen ziemlich überwältigende Ereignisse gewesen sein. Bist du schon vor so einem großen Publikum aufgetreten? Und hat ein "alter Hase" (Entschuldigung!) da auch noch so etwas wie Lampenfieber?

(EP):
Da habt ihr Recht! Diese Auftritte waren phänomenal und einmalig in meiner Laufbahn.

Kurz bevor ich auf die Bühne gehe, habe ich immer Lampenfieber, und es ist gut so. Das sorgt für eine bessere Konzentration und vollen Einsatz meiner Fähigkeiten auf der Bühne. Dieses Prickeln, was wahrscheinlich eine Rolle spielt, um das Publikum zu begeistern.


STEPPENWIND:
Wie wird es aus deiner Sicht mit Dschinghis Khan weiter gehen? Wird es auf einem hoffentlich zustande kommenden zweiten Album auch wieder Solo-Titel von dir geben?

(EP):
Ich bin kein Hellseher. Wie es weitergehen wird, überlasseich unserem Manager Heinz Gross, der immer wieder neue Visionen entwickelt. Ich stelle mich gerne zur Verfügung um sie zu verwirklichen und bin zuversichtlich, dass wir noch viel Schönes miteinander zustande bringen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass jed/r von uns einen Solo-Titel bringt, um die individuellen Möglichkeiten in der Gruppe zu zeigen.


STEPPENWIND:
Und wie wird es mit deiner Solo-Karriere weiter gehen? Bei weltweiten Auftritten mit Dschinghis Khan wird doch wenig Zeit übrig bleiben, oder?

(EP):
So gerne ich auch Solo-Auftritte mache, meine ich, dass es im Moment wichtiger ist, nur für die Gruppen-Aufgaben da zu sein. Ich denke, die Koordination von Solo- und Gruppenterminen würde sicher Probleme mit sich bringen.


STEPPENWIND:
Wie werdet ihr in Zukunft gekleidet sein? Wird es Kostümwechsel geben wie früher?

(EP):
Ich denke schon. Aber lasst euch doch lieber überraschen.

STEPPENWIND:
Hast du einen Lieblings-Song von Dschinghis Khan, oder vielleicht einen, den du gerne noch einmal neu aufnehmen würdest? Z.B. das grandiose "Rund um die Welt", das 1985 leider nur als B-Seite veröffentlicht wurde? Und gibt es einen Titel, der dir gar nicht gefällt?

(EP):
Ich habe einige Lieblings-Songs, wie "Rom", "Machu Picchu", "Rocking Son of D.K." Natürlich auch "Komm doch heim". "Rund um die Welt" gefiel mir auch sehr gut und ich fand es eigentlich schade, dass es nur als B-Seite verwendet wurde.

"Wir sitzen alle im selben Boot" und "Puszta" kann ich nicht leiden.

"Dschinghis Khan" und "Moskau" stehen an der obersten Spitze außer Konkurrenz.

 

STEPPENWIND:
Dann wünschen wir dir und der Band weiterhin viel Erfolg. Und vielen Dank für dieses wirklich sehr ausführliche Interview!

Anm.: Hut ab vor Edina, die es sich als bekennender Technik-Verweigerer nicht hat nehmen lassen, unseren Fragebogen mit der guten alten Schreibmaschine auszufüllen!